Berlin, Bochum, Denninghoff

Ein historischer Straßenbahnwagen fährt durch das historische Bochum Hamme vorbei am Stahlwerk. Ein Pferdewagen fährt auf der anderen Spur.

Wie alles anfing

In diesem Jahr feiern wir 130 Jahre BOGESTRA und anlässlich unseres Jubiläumsjahres wollen wir euch in den nächsten zwölf Monaten ein paar mehr historische Einblicke als gewohnt liefern. Freut euch auf Schlaglichter aus 130 Jahren BOGESTRA, die wir zusammen mit unseren Gastautor*innen für euch aufbereiten. Den Anfang mit dem Anfang macht VhAG-Mitglied und Autor Andreas.

Ein Logo mit dem Schriftzug "Wir feiern 130 Jahre BOGESTRA" in Rot- und Blautönen.

Es hört sich ein wenig kurios an: Am 13. Januar 1896 wurde in Berlin – fernab von dem Ort ihres eigentlichen Wirkens – die Bochum-Gelsenkirchener Straßenbahnen A.G. gegründet. Aber es war viel weniger kurios als man meinen könnte, denn Berlin war der Sitz von Siemens & Halske. Jener Firma, die schon in den Jahren davor in die Straßenbahn im Ruhrgebiet investiert hatte. Zweck der neu gegründeten Aktiengesellschaft war die „Herstellung, der Erwerb und Betrieb von Straßenbahnen, insbesondere in den Stadt- und Landkreisen Bochum und Gelsenkirchen, sowie die Erlangung von Konzessionen für Straßenbahnen.“

Kurzer Rückblick: Bereits zwei Jahre davor, im November 1894, hat Siemens & Halske die erste Straßenbahnlinie in Bochum eröffnet. Ein Jahr später folgten dann die ersten Linien in Gelsenkirchen. Weil Straßenbahnbau und –betrieb kostspielig waren, entschied man sich für die Gründung einer Aktiengesellschaft.

Ein Beispielbild von einer BOGESTRA-Aktie.

Der erste Vorstand der AG war – irgendwie logisch – Siemens & Halske-Mitarbeiter Paul Denninghoff. Und dieser war für den Job auch topqualifiziert: Bereits 1894 war er im Ruhrgebiet und nahm an den Verhandlungen mit den Gemeinden teil, auf deren Gebieten neue Strecken gebaut werden sollten. Er wurde seinerzeit von der Tageszeitung als „Erbauer der Bahn“ und „tüchtiger Leiter des Ganzen“ bezeichnet. 1895 wurde ihm mit einem Schreiben von Siemens & Halske die „einheitliche[…] Oberleitung der Bau- und Betriebs-Verwaltung der elektrischen Strassenbahnen im Rheinisch-Westfälischen Kohlenrevier [übertragen …], z. Zt. in Gelsenkirchen, vom 1. Januar 1896 ab in Bochum, Voedestr. 2 […]“.

Ein Ingenieur aus dem Revier

Paul Denninghoff wurde am 12. August 1863 in Schwelm als Sohn eines Apothekers geboren. Er studierte von 1884 bis 1886 an der technischen Hochschule in Hannover. Seine Qualifikation hieß damals „Regierungs-Baumeister“ im höheren Dienst, in etwa vergleichbar mit dem heutigen Diplom-Ingenieur. 1895 verlobte er sich mit Hermine Frowein aus Barmen, Tochter eines Fabrikbesitzers. Damals wohnte Denninghoff in Gelsenkirchen in der Wanner Straße 14, in direkter Nachbarschaft zum im Bau befindlichen Gelsenkirchener Betriebshof. Er heiratete Hermine Frowein im Mai 1896. Zu diesem Zeitpunkt wohnte er bereits in Bochum. Am 31. März 1897 bekam das Ehepaar die Tochter Elly.

Während seiner Zeit in Bochum wurde das Straßenbahnnetz weiter ausgebaut. Im Gründungsjahr der BOGESTRA wurden die Strecken vom Kortländer zur Bochumer Innenstadt, von Bochum nach Wattenscheid und Gelsenkirchen, sowie von Wanne nach Bochum und Gelsenkirchen eröffnet. Über die nächsten Jahre wirkte Denninghoff an der weiteren Ausweitung des Straßenbahnnetzes der BOGESTRA mit. Es entstanden unter anderem die Strecken Gelsenkirchen – Rotthausen – Kray – Steele, Bochum – Weitmar und Bochum – Laer.

Ein schwarz-weiß Foto von einem älteren Herren im Anzug mit Schnauzbart und Glatze: Paul Denninghoff.

Nach drei Jahren zurück nach Berlin

Am 1. Juli 1899 wurde Paul Denninghoff nach Berlin zurückversetzt. Seine Nachfolge als Vorstand in Bochum trat Regierungs-Baumeister Oskar Röhrig an. Dieser hatte auch an der TU in Hannover studiert und war ein Jahr älter als Denninghoff.

Paul Denninghoff bekam eine weitere herausfordernde Aufgabe. Er wurde Geschäftsführer der im Oktober 1899 gegründeten „Studiengesellschaft für elektrische Schnellbahnen G. m. b. H.“. Gesellschafter waren die damals führenden Elektro- und Lokomotivbaufirmen. Zwischen 1901 und 1903 wurden unter seiner Leitung und der seines Kollegen Moritz Lochner Versuchsfahrten zwischen Marienfelde und Zossen durchgeführt. Diese erreichten mit elektrischen Triebwagen eine Geschwindigkeit von über 200 km/h. Nach Auflösung der Studiengesellschaft trat er in das Patentamt ein. Hier war er bis zu seiner Pensionierung für die Luftfahrt zuständig.

Ein historischer Straßenbahnwagen fährt um 1900 durch Bochum und vorbei an der Verwaltung des Bochumer Vereins.

Auch wenn Siemens & Halske und Paul Denninghoff nur an den frühsten Anfängen die Wege der BOGESTRA beeinflusst haben, waren sie doch wichtige Wegbereiter. Paul Denninghoff hat maßgeblich am Ausbau einiger Strecken mitgewirkt, die wir fast genauso heute noch fahren. Und Siemens & Halske – tja ohne sie hätte es uns gar nicht erst gegeben. Deswegen sagen wir: Danke Siemens (& Halske), dass ihr uns gegründet habt und – natürlich – danke Andreas für das lehrreiche Schlaglicht aus unserer Geschichte.

Im nächsten Beitrag wagen wir uns etwas weiter und werfen einen Blick darauf, wie es mit uns und unseren Gründern weiterging.

Fotos: BOGESTRA-Fotosammlung

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Wir über uns

Rund 2400 Menschen sorgen bei der BOGESTRA an 365 Tagen im Jahr für Mobilität im Herzen des Ruhrgebiets. Mit ca. 400 Fahrzeugen sind wir städteübergreifend unterwegs. Von früh am Morgen bis spät in die Nacht bieten wir attraktive Verbindungen für unsere Fahrgäste und sorgen für den Pulsschlag der Region.

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Gast
Januar 30, 2026

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