Fährt die Werbung, läuft der Absatz

Werbung auf Bus und Bahn

In den 1960er Jahren hatten Wicküler Biere „Weltruf“, in den 70ern (und auch noch eine ganze Weile danach) gab es, „wenn‘s um Geld geht“ nur einen Ansprechpartner und in den 1980ern war der Vaillant-Hase allgegenwärtig. Ganz egal, ob komplett in Pink, mit riesigem Slogan oder einfach mit ein paar freundlichen Gesichtern drauf, Werbung auf und in Bus und Bahn fiel immer schon auf. Deswegen ist sie auch heute noch sehr beliebt. Doch bevor so eine Werbung auf dem Fahrzeug landet, geht sie durch viele Hände. Wie viele das sind, lest ihr hier:

Die Damen und Herren fürs Geschäftliche

Wer eine Werbung in oder an Bus und Bahn platzieren will, kommt an ihnen nicht vorbei. Carsten, Stephan und Lilly kennen jede mögliche Werbefläche, Laufzeiten, Preise und – natürlich – auch alle unsere Geschäftskunden. Dabei sind sie nicht nur eine Schnittstelle zu allen beteiligten Bereichen, sondern auch Ansprechpartner*innen für alle (potenziellen) Kund*innen: „Der persönliche Kontakt zu unseren Kunden ist uns total wichtig. Klar, beantworten wir auch Anfragen per Mail, aber das persönliche Gespräch – am Telefon oder vor Ort – ist für uns immer die erste Wahl. So können wir am besten auf die individuellen Anforderungen des Kunden eingehen“, erklärt uns Carsten.

Okay, aber über welche Flächen reden wir hier eigentlich ganz genau? Stephan lacht: „Eigentlich alle, auf denen man in Bus und Bahn Werbung sehen kann. Zum Beispiel die Monitore, die Seitenscheiben und natürlich die Außenflächen an Bus und Bahn selbst.“ Diese und noch einige andere Flächen gilt es für das Dreier-Team an den Mann oder die Frau zu bringen. Akquise heißt das Zauberwort. Und da haben die drei so ihre Methoden: „Da müssen wir schon kreativ werden und ausgiebig recherchieren, zum Beispiel in Tages- oder Wochenzeitungen, dem Internet oder auch per verifizierter Adresseinkäufe von renommierten Inkassounternehmen. Aber auch unsere Lieferanten haben wir schon angeschrieben. Viele wissen nämlich gar nicht, wie einfach und vor allem wie günstig so eine Verkehrsmittelwerbung ist.“

Dann liefern wir einmal die Fakten: Etwas mehr als 600 Euro kostet zum Beispiel eine Heckflächenbeklebung an einem Bus pro Monat Miete. Circa sechs Wochen braucht es von der Bestellung einer großflächigen Gestaltung bis zu dem Moment, an dem die Werbung unterwegs ist – manchmal geht es schneller. Das ist natürlich stark abhängig davon, welche Werbeform gewünscht ist. Stephan resümiert:

Aktueller Kundenliebling sind die Monitore. Liegen hier die passenden Daten vor, können wir das innerhalb von wenigen Tagen aufspielen. Aber auch die kleinen Seitenscheibenplakate sind ein Dauerbrenner.

Der kreative Schliff

Wenn das gewünschte Motiv bei uns vorliegt, schlägt die große Stunde von Grafiker Thomas und seiner Kollegin. Denn ganz egal wie gut ein Unternehmen oder eine Agentur eine Fahrzeugwerbung vorbereitet hat, niemand kennt unsere Fahrzeuge besser als wir. Deswegen schauen unsere Grafiker*innen meistens nochmal ganz genau auf die angelieferten Druckdaten. Sind alle Merkmale des Fahrzeugmodells beachtet worden? Sind Aussparungen eingeplant und wurde Platz für unsere sicherheitsrelevanten Piktogramme gelassen?

Dabei gibt es mal mehr und mal weniger zu tun. Arbeiten wir schon länger mit einem Kunden zusammen, reicht oft ein kurzer Blick, dass alles passt. Und manchmal da unterstützen unsere Grafiker*innen etwas mehr. Das geht dann von kleineren Anpassungen bis hin zu der Möglichkeit, dass sie das ganze Motiv entwerfen.

Das kommt aber nur selten vor. Komplette Motive entwerfen wir deutlich häufiger für uns selbst.

Stimmt, denn auch wir machen Werbung in und an unseren Fahrzeugen, zum Beispiel für unsere Mutti-App oder für Themen, die uns wichtig sind, wie unser 130-jähriges Jubiläum in diesem Jahr. Unser Jubiläumsmotiv ist eine sogenannte „Ganzgestaltung Plus“. Nahezu das komplette Fahrzeug ist von dem Werbemotiv umgeben. An solchen Motiven feilen unsere Grafiker*innen dann auch schon mal etwas länger bis alles passt. Manchmal lässt Thomas auch einen Probedruck anfertigen, um zu schauen, ob die richtige Farbe getroffen wurde. Und erst, wenn wir uns wirklich sicher sind, dass alles passt, gibt Thomas das Motiv in den Druck.

Die Kollegen mit dem Fingerspitzengefühl

Dafür tauscht sich Thomas sehr eng mit Röttger und seinen Kollegen aus. Sie arbeiten in unserer Großformatdruckerei an der Engelsburg. Hier drucken wir alles, vom kleinen Piktogramm bis zum großformatigen Banner und noch viel mehr: selbstklebende Folien für (Haltestellen-)Schilder, Fahrpläne, Roll Ups und, und, und.

Da die großen Beklebungen für die Umsetzung in kleinere Einzelteile aufgeteilt werden müssen, werden die einzelnen Teile des Motivs mit einer Spezialsoftware ihrer Position am Fahrzeug zugeordnet und in Kacheln eingeteilt. Den Kacheln wird dann die für den Aufklebeort passende Folie zugeordnet und das Motiv nach und nach gedruckt.

Die fertigen Folien werden von Röttger und seinen Kollegen zur besseren Haltbarkeit laminiert und zugeschnitten. Sie werden so vorbereitet, dass sie später gut aufgebracht werden können, also mit etwas Spiel an den Seiten – schließlich ist so ein Fahrzeug dreidimensional, während eine Folie es nicht ist. Zur Weiterverarbeitung gehört auch die Freistellung von Schriftzügen wie unserem 130-Jahre-Signet. Dafür braucht man Fingerspitzengefühl, aber mit genug Übung und Routine, so erzählt es uns Röttger, kann man das gut meistern.

Viel wichtiger in seinem Job ist es, Interesse an Drucktechnik, Kreativität und Spaß beim Umgang mit Menschen mitzubringen. Zuletzt rollen Röttger und seine Kollegen die Folien, sortieren sie nach Wagenteilen und stellen sie für die Weiterverarbeitung zur Verfügung.

Ein Föhn für Ecken und Kanten

Dann übernehmen Ousamma, Lars und ihre Kolleg*innen. Sie sind gelernte Fahrzeuglackierer, arbeiten an Unfallinstandsetzungen, in der Komponentenaufbereitung und eben mit der Fahrzeugwerbung. Sie bringen, wenn gewünscht, Außenwerbung, Seitenscheibenplakate und Deckenkleber an allen unseren 95 Variobahnen an. Um eine 30 Meter lange Straßenbahn vollständig zu bekleben, brauchen Oussama und Lars vier bis fünf Tage und mindestens zwei zusätzliche Kolleg*innen, am besten aber drei. Sie arbeiten dann immer in Zweier-Teams – ein Team auf jeder Seite und eine Person bereitet die Folien vor.

Bevor die Fünf anfangen, werden die Folienstücke an den entsprechenden Wagenteilen bereitgelegt. Dann beginnen sie beim ersten von fünf Wagenteilen, packen die Folien aus und halten sie an das Fahrzeug, um zu schauen, ob alles stimmig ist und richtig zugeordnet wurde. Dann bekleben sie zuerst den Rumpf und dann den Kranz und arbeiten sich so Wagenteil um Wagenteil voran. Ist ein Teil fertig, übernimmt der*die fünfte Kolleg*in die Fenster und Stege.

Dabei werden die Folien wie beim Tapezieren mit etwas Überlappung verklebt. Das ist wichtig, weil sie sich witterungsbedingt auch mal ausdehnen oder zusammenziehen und wir natürlich nicht wollen, dass das nackte Fahrzeug durchschimmert. Zuletzt werden bewegbare Fahrzeugteile wie Klappen freigeschnitten und die Ecken und Kanten geföhnt, damit die Folie an den kritischen Stellen auch besonders gut hält. Und dann ist es geschafft. Dann können Ousamma, Lars und ihre Kolleg*innen am Ende einer Arbeitswoche ihr Werk auf Strecke schicken, wo es dann Tag um Tag fährt, damit der Absatz läuft.

Fotos: BOGESTRA/Wiciok

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Autor

Imke
Januar 15, 2026

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