Gesichter aus Ückendorf

Unser Kollege Muthanna kniet vor der hinteren Bustür und arbeitet am Türgummi.

Ein Besuch bei Menschen und Bussen

Acht Uhr an einem Montagmorgen: Es ist gerade hell geworden, es nieselt ein bisschen und alle paar Minuten fährt ein Bus an uns vorbei. Wir stehen an der Einfahrt zu unserem Betriebshof in Gelsenkirchen Ückendorf und für uns beginnt hier ein Tag, der für die meisten Kolleg*innen vor Ort bereits vor einigen Stunden angefangen hat.

Ein freundliches „Guten Morgen“

Einer, bei dem das auf jeden Fall zutrifft, ist Karl. Karl arbeitet heute in der Ausfahrt und hat seinen Dienst dafür um 3 Uhr begonnen. Aber das Frühaufstehen ist er gewohnt, denn eigentlich ist Karl Busfahrer. In der Ausfahrt hilft er nur aus, wenn die Kolleg*innen im Urlaub oder krank sind: „Das kommt gar nicht so oft vor. Ungefähr einmal im Monat sitze ich dann hier und übernehme für eine Schicht die Ausfahrt.“ Und dann ist er der Mensch, an dem keine*r unbemerkt vorbeikommt: Denn von seinem Arbeitsplatz aus hat er direkte Sicht auf jede Ein- oder Ausfahrt.

Unser Kollege Karl sitzt an seinem Arbeitsplatz vor vier Bildschirmen und telefoniert.
Sein Gesicht ist auch eines der ersten, das die Kolleg*innen aus dem Fahrdienst sehen, wenn sie ihren Dienst beginnen. Denn in der Ausfahrt bekommen sie ihr Kursbuch und – nicht zu vergessen – ein freundliches „Guten Morgen“ mit auf den Weg. Karl überprüft in diesem Zuge auch, ob der*die richtige Kolleg*in auf dem Weg zum richtigen Fahrzeug ist. Denn wenn hier mal ein Fehler passiert, müssen Fahrzeug, Kolleg*in und Linie innerhalb kürzester Zeit neu zugewiesen werden. Auch wenn ein*e Kolleg*in kurzfristig ausfällt, muss Karl in der Ausfahrt eine Lösung finden, damit das betroffene Fahrzeug die anderen Ausfahrten in der Halle nicht blockiert und die Reserve für den*die Kolleg*in einspringt.

In der Ausfahrt muss ich manchmal schnell reagieren, muss überlegen, wie ich mit der Situation jetzt umgehe. Da ist Köpfchen gefragt. Das mag ich daran, in der Ausfahrt auszuhelfen. Es ist einfach eine schöne Abwechslung zum Busfahren.

Ein Benefit für unsere Fahrgäste

Und schon klingelt bei Karl das Telefon – sein Köpfchen ist mal wieder gefragt. Immerhin ist sein Arbeitstag nicht mehr so lang wie unserer, denken wir uns und machen uns mit einem kleinen Wink zum Abschied auf den Weg in Richtung Werkstatt.

In unserer Buswerkstatt in Ückendorf ist an einem Montagmorgen einiges los: Es wird geschraubt, poliert und nachgefüllt – manchmal im ganz Kleinen und manchmal eben direkt am großen Fahrzeug. In einem dort abgestellten Bus entdecken wir Alexander. Er baut gerade ein Gerät zum bargeldlosen Ticketkauf ein – ziemlich cooler Benefit für unsere Fahrgäste. Und man sieht eindeutig: Das macht Alexander nicht zum ersten Mal. Stimmt, denn schon seit einigen Monaten arbeiten er und sein Team daran, auch alle anderen unserer Gelsenkirchener Busse sowie Fahrzeuge von beauftragen Busunternehmern mit der digitalen Zahlmöglichkeit auszustatten. Aber das ist nicht seine einzige Aufgabe hier.

Unser Kollege Alexander steht in einem Bus und hält eine kleine Zange und ein Kabel in der Hand.
Alexander ist Kfz-Mechatroniker für System- und Hochvolttechnik und seit seinem Abschluss im vergangenen Jahr im Team der Elektriker eingesetzt. In seine Hände kommt alles, was mit der Elektrik im und am Bus zu tun hat: USB-Ports, Haltewunsch-Taster, Standheizung, Steuerelemente und, und, und. Und das alles kann – natürlich – auch mal kaputtgehen oder einen unbekannten Fehler aufweisen. Und dann muss Alexander auf Fehlersuche gehen und herausfinden, wo das Problem liegt und wie er es beheben kann.

Ich mag, dass ich dabei jeden Tag handwerklich arbeiten kann. Das macht mir Spaß und egal, was ich im Rahmen meines Jobs hier erledige, am Ende eines Tages kann ich sehen, was ich geschafft habe. Das ist ein gutes Gefühl.

Praktisch lernen von Anfang an

Wir nutzen diesen Moment, uns von Alexander noch einmal genau zeigen zu lassen, wo die neuen Geräte hinkommen und – natürlich – um ein Foto zu machen. Dann machen wir uns auf den Weg, denn Alexander hat heute noch viel zu tun. Wir auch, denn wir suchen noch weitere Gesichter auf unserem Betriebshof in Ückendorf.

In der Karosseriewerkstatt werden wir fündig: Wir treffen Muthanna, der gerade mit zwei Kollegen an einem Bus mit einem Lackschaden arbeitet. Damit das beschädigte Fahrzeugteil bearbeitet werden kann, muss Muthanna das Türgummi entfernen. Die beiden Kollegen geben Tipps und unterstützen, wenn nötig. Denn Muthanna ist Auszubildender im zweiten Lehrjahr und freut sich, dass er bei seiner Arbeit noch Unterstützung bekommt. Das Ziel: Kfz-Mechatroniker, am besten weiterhin bei uns in Ückendorf und aktuell fühlt er sich auf einem sehr guten Weg dahin:

Als Auszubildender ist man hier wirklich gut aufgehoben. Man darf von Anfang an selbst mitarbeiten und lernt direkt am Fahrzeug und nicht ausschließlich vom Zugucken. Das finde ich richtig gut!

Muthanna erzählt uns, dass er vor seiner Ausbildung bei uns als Quereinsteiger bei einem Zahntechniker gearbeitet hat. Aber das war gar nicht seins: „Eigentlich habe ich schon immer gern an Autos geschraubt und als das mit der Zahntechnik nichts für mich war, dachte ich, warum es nicht mit der Ausbildung versuchen?“ Und das mit Erfolg, denn aktuell passt es für Muthanna bei uns sehr gut, er fühlt sich wohl und gut auf die kommenden Prüfungen vorbereitet. Und dann gibt es noch einen zusätzlichen Bonus: „Weil ich mich jetzt so langsam wirklich gut mit Fahrzeugen auskenne, fragen mich Freunde und Familie regelmäßig um Unterstützung, wenn mit ihrem Auto etwas nicht stimmt“, erzählt uns Muthanna lachend.

Wie die Mutter zum Kinde

Zugegeben, das würden wir wohl auch machen, wenn wir jemanden mit diesem Wissenshintergrund im Bekanntenkreis hätten. Nun repariert sich aber so ein beschädigter Bus nicht von allein und deswegen lassen wir Muthanna jetzt weiter lernen. Nach einem Streifzug quer über das Gelände enden wir unsere Tour im Fahrer*innenaufenthaltsraum. Hier macht Andreas gerade seine Pause.

Unser Kollege Andreas steht im Pausenraum.
Als wir ihn ansprechen, beißt er gerade in sein Brötchen: „Ja, ich bin Busfahrer. Aber wie viele andere Kolleg*innen auch bin ich Quereinsteiger. Ich bin vor zehn Jahren quasi wie die Mutter zum Kind eben zum Busfahren gekommen“, erzählt Andreas lachend. Er hätte anfangs nie gedacht, dass er so lange dabei bleiben würde, dass ihm Busfahren Freude bereiten würde. Aber unverhofft kommt oft:

Der Job ist eben jeden Tag anders. Das ist schon spannend. Man weiß nie, wen man trifft. Gleichzeitig hat man die Möglichkeit sehr selbstständig zu handeln. Es gibt keinen Chef, der jeden Schritt diktiert.

Einsam findet Andreas den Job dabei überhaupt nicht. Er nutzt die Zeit vor und nach Schichtbeginn sowie in den Pausen für kurze Gespräche mit den Kolleg*innen und auf die möchte Andreas nichts kommen lassen: „Die Kolleg*innen hier sind wirklich super. Und auch die Teamleiter*innen. Da kommen wir hier in Ückendorf richtig gut miteinander aus.“ Insgesamt macht Andreas seinen Job immer noch sehr gern, auch wenn natürlich nicht jeder Tag perfekt ist. Und wenn er dann im Einsatz ist, hat er nicht einmal große Vorlieben: Andreas fährt jede Linie gleich gern oder ungern. Aber wenn es um die Dienste geht, hat er einen klaren Favoriten: „Ich mag es zwischen zwei längeren Dienststücken eine größere Pause zu haben oder – so wie heute – nach vier Stunden auf dem Bus hier meine Pause zu machen und danach die Reserve zu übernehmen.“

Vielfältige Aussichten

Und von seiner Pause wollen wir Andreas auch noch ein bisschen was lassen. Deswegen verabschieden wir uns und machen uns auf den Weg zurück in die Hauptverwaltung in Bochum. Mitgenommen haben wir wieder eine ganze Menge Eindrücke und die Erkenntnis, dass unsere Kolleg*innen vom Busbetriebshof in Gelsenkirchen Ückendorf mindestens so vielfältig sind wie die an unserer Engelsburg in Bochum. Wir sind gespannt, auf welchem Spaziergang wir uns das nächste Mal wiederfinden.

Fotos: BOGESTRA/Wiciok
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Foto Werkstatthalle BOGESTRA-Straßenbahnbetrieb Engelsburg

Rund 2400 Menschen sorgen bei der BOGESTRA an 365 Tagen im Jahr für Mobilität im Herzen des Ruhrgebiets. Mit ca. 400 Fahrzeugen sind wir städteübergreifend unterwegs. Von früh am Morgen bis spät in die Nacht bieten wir attraktive Verbindungen für unsere Fahrgäste und sorgen für den Pulsschlag der Region.

Autor

Imke
März 11, 2026

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