Unser „678“
Er kommt viel rum unser „678“: Und das ist ja auch der Job eines Schleifwagens. Mindestens einmal pro Woche ist nämlich an jedem Teil unseres Meterspurnetzes Gleispflege angesagt. Unser Schleifwagen ist damit mit unserem Gleisnetz (außer der U35 und der U11) genau vertraut und so ein richtiger (Fast-)Alleskenner.
Filigrane Arbeit mit Schleifsteinen
Gefahren wird der Schleifwagen hauptsächlich von Dennis. Er kennt sich daher besonders gut mit dem Wagen aus: „Mit zwölf Schleifsteinen bearbeiten wir die Schienen. Dabei schleifen wir im 200stel Millimeter-Bereich“, und erklärt damit, wie filigran die Arbeit des Wagens eigentlich ist. Dass wir uns in diesem Minimalbereich bei der Gleispflege bewegen, hat seinen Grund: Denn auch kleine Schienenunregelmäßigkeiten können Folgen haben und die Radreifen der Straßenbahnen beschädigen. Mit 678 betreiben wir also vorbeugende Materialschonung. Und gepflegte Gleise bedeuten auch weniger Geräusche.
Viel zu schleifen im Herbst
Neben dieser Schienenpflege sorgt unser Schleifwagen auch für mehr Griffigkeit. Denn über kurz oder lang legt sich auf die Gleise ein Schmierfilm unter anderem aus Autoreifenabrieb und zerriebenen, abgefallenen Blättern. Das bedeutet dann auch, dass 678 im Herbst, wenn Laubzeit ist, noch häufiger zum Einsatz kommt. Für den „Herbstplan“ wird Dennis dann auch standardmäßig von weitere Kolleg*innen unseres Infrastrukturteams beim Fahren unterstützt.
Linienwagen fürs Schleifen umgebaut
Seit zehn Jahren ist unser Triebwagen 678 inzwischen auf Schleiftour. Vorher war die Personenbeförderung sein Job. Als M-Wagen 340 war er rund 30 Jahre im Liniendienst auf Strecke. Dann ging es für ihn nach Leipzig. Dort wurde er für seine zukünftige Arbeit umgebaut. Das hieß alle Dinge raus, die er für den Linieneinsatz brauchte, und Technik für das Schleifsystem rein. Auch das Cockpit der Bahn musste angepasst werden. Schließlich wird jetzt von hier aus auch das Schleifen gesteuert und überwacht.
„Bei dem Umbau wurden Teile verwendet, wie sie auch bei unseren Variobahnen verbaut sind“, erläutert Dennis. Davon profitiert nicht nur die Werkstatt bei der Instandhaltung des Wagens, sondern er selbst auch. Denn bevor er sich für die Arbeit mit 678 beworben hat, war er als Straßenbahnfahrer auf der 301 und 302 unterwegs: „678 hat zum Beispiel den gleichen Fahrhebel wie die Straßenbahn. Da musste ich mich gar nicht umstellen.“
Schleifen bei 30 km/h
Bei vielen anderen Sachen musste sich Dennis natürlich reinfuchsen. So zum Beispiel in Sachen Geschwindigkeit. Geht es bei der „normalen“ Bahn auf bestimmten Streckenteilen schon einmal hoch bis zu 70 km/h, gilt für den Schleifwagen eine Grundgeschwindigkeit von 40 km/h. Wenn der Schleifvorgang läuft ist die Bahn mit 30 km/h unterwegs.
Auch die restlichen Strecken musste Dennis noch kennenlernen, bevor er zum Schleifwagenfahrer wurde. Über die ein oder andere Ecke unseres Netzes hat er sich dabei besonders gefreut: „Ich fahre besonders gern über die Ruhrbrücke in Hattingen und nach Heven Dorf. Das gefällt mir da.“
Dennis und die Fahrpläne
Dass der Linienverkehr durch Infrastrukturarbeiten so gering wie möglich behindert werden soll, war Dennis schon bekannt als er noch die Bahnen der 301 und 302 steuerte. Jetzt kümmert er sich selbst darum, wenn er mit dem Schleifwagen unterwegs ist. Dafür kennt er die Fahrpläne aus dem Effeff bzw. informiert sich über die Mutti-App, wo die nächsten Fahrzeuge um ihn herum sind: „Ich weiß natürlich auch, wo wir auf der Strecke Umsetzweichen haben“, erklärt er.
Dann kann er – wenn nötig – mit dem 678 auch kurz aufs andere Gleis wechseln, um eine Linienbahn vorbeizulassen. Das kommt aber sowieso nicht ganz so häufig vor, wie man vielleicht denkt. Denn während die Linienbahnen – so wie es sich gehört – an Haltestellen Fahrgäste ein- und aussteigen lassen, zieht Dennis mit dem Schleifwagen ohne Halt an den Stopps vorbei. Und durch die kontinuierliche Geschwindigkeit seines Wagens schafft er immer wieder, Abstand zwischen sich und die anderen Bahnen zu kriegen.
Regenwassertankstelle
Bevor Dennis rausfährt, schaut er nach, ob noch alle Schleifsteine ausreichend Substanz besitzen oder ob er welche ersetzen muss - auch das gehört zu seinen Aufgaben. Schließlich gibt es noch das Auffüllen der Wassertanks, das es zu erledigen gibt. Da es beim Schleifvorgang an der Schiene sehr heiß wird, wird dabei kühlendes Wasser aufgebracht. Auch das hat Dennis im 678 mit an Bord. 6000 Liter passen in die Tanks. Das Regenwasser, das wir dafür nutzen, wird an der Engelsburg in einem großen Zisternensystem aufgefangen. Die Betankung erfolgt dann a la Feuerwehr, denn so kommt einem der Nachfüllvorgang bei dem dafür verwendeten Schlauch irgendwie vor.
Europaletten und Bügelfahrten
Wenn 678 unterwegs ist, passiert das hauptsächlich, um Gleise zu schleifen. Der Triebwagen wird aber auch noch für Anderes eingesetzt. So wurden sein Innenraum und die Türen in einem Bereich so hergerichtet, dass er für besondere Transportaufgaben benutzt werden kann. Er ist nämlich europalettentauglich, d.h. wenn nötig kann eine Europalette hineingestellt und am Ziel des Transports herausgeholt werden.
Außerdem ist 678 auch der Wagen, mit dem in der Regel die so genannten „Bügelfahrten“ gemacht werden. Das sind Fahrten, bei denen nach Bauarbeiten und vor der Betriebsaufnahme die Funktionsfähigkeit der Strecke gecheckt wird. Also ist sicher, dass Dennis und 678 auch in den nächsten Jahren viel rumkommen werden.
Fotos: BOGESTRA / Wiciok














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