Füchse, Elefanten und Schüttelrutschen

Bahnen der 1940er- und 60er-Jahre

In diesem Jahr feiern wir 130 Jahre BOGESTRA und anlässlich unseres Jubiläumsjahres wollen wir euch in den nächsten zwölf Monaten ein paar mehr historische Einblicke als gewohnt liefern. Freut euch auf Schlaglichter aus 130 Jahren BOGESTRA, die wir zusammen mit unseren Gastautor*innen für euch aufbereiten. In einem ersten Beitrag hat uns VhAG-Mitglied und Autor Ludwig im März bereits mit zu den Gastell- und Unionwagen genommen. Bei seinem zweiten Rundgang durch den frühen Wagenpark der BOGESTRA wird es tierisch - und geschüttelt wird auch.

Ein Logo mit dem Schriftzug "Wir feiern 130 Jahre BOGESTRA" in Rot- und Blautönen.

Fuchs- und Aufbauwagen

1946 kamen bereits die ersten Neubaufahrzeuge zur BOGESTRA: Die Waggonfabrik Uerdingen lieferte zwischen dem Jahreswechsel 1946/47 und 1949 insgesamt 36 Beiwagen des noch während des Zweiten Weltkriegs entwickelten Kriegsstraßenbahnwagens (KSW). Ihnen folgten 1948/49 die bis auf die elektrische Ausstattung baugleichen Triebwagen 95 bis 109 (Bild oben). Ein Teil von ihnen, die Triebwagen 95 bis 99 sollten zunächst nach Saarbrücken geliefert werden, wurden dann aber in das Ruhrgebiet umgeleitet.

Während die neuen Fahrzeuge in allen anderen Betrieben schlicht KSW-Wagen genannt wurden, benannte sie die BOGESTRA nach ihrem Hersteller, der Waggonfabrik Fuchs in Heidelberg. Der letzte bei der BOGESTRA erhaltene "Fuchs-Wagen" ist der historische Triebwagen 96 der Verkehrshistorischen Arbeitsgemeinschaft VhAG BOGESTRA e.V..

Als Folge der Bombardierung wurden viele der im Kern aus Holz hergestellten Wagenkästen durch Feuer zerstört. Nur die Fahrwerke blieben erhalten. Für die noch brauchbaren Fahrgestelle von Gastell- und Credé-Triebwagen der Baujahre 1927/28 und 1942 lieferten die Waggonfabriken Uerdingen und Westwaggon 1948 neue Wagenkästen. So entstanden die "Aufbau-Triebwagen" 110 bis 122, von denen wir auf dem nachfolgenden Bild den Triebwagen 113 am 28. August 1953 als Linie 18 auf der Hans-Böckler-Straße in Höhe des Rathauses sehen.

Umbauten aus eigener Werkstatt

Die 15 Fuchs-Wagen, die 36 Beiwagen und die 13 Aufbautriebwagen reichten gleichwohl nicht aus, um dem akuten Fahrzeugmangel der Nachkriegszeit entgegenzuwirken. Weitere Neu- und Ersatzbauten wurden dringend benötigt.

Als Weiterentwicklung des Aufbau-Typs entwickelte der Verband öffentlicher Verkehrsbetriebe (VöV) damals den "Verbands-Typ". Davon profitierte auch die BOGESTRA: 1951 erhielt sie von den Waggonfabriken Credé und Uerdingen die Triebwagen 181 bis 185, 1952 folgten vier passende Beiwagen unter den Nummern 337 bis 340.

 

 

Weitere Neubaufahrzeuge konnte man zunächst nicht finanzieren. Doch der Wagenmangel bestand weiterhin. Was in dieser Situation half, war der Ersatz älterer Fahrzeuge in Eigeninitiative. Zwischen 1952 und 1954 modernisierte die Werkstatt insgesamt 16 Trieb- und drei Beiwagen. Drei Trieb- und ein Beiwagen entsprachen 1:1 dem Verbandstyp. Die übrigen Fahrzeuge hatten noch einen Wagenkasten aus Holz, wurden aber optisch dem Verbandstyp angeglichen.

 

Elefanten …

Mit den Erfahrungen der Umbauwagen entwickelte die Hauptwerkstatt in Weitmar aus dem Zweirichtungs-Verbandstyp (Triebwagen 56, 72 und 177) einen optisch sehr ähnlichen zweiachsigen Triebwagen in Einrichtungsbauweise. Durch den unmittelbar hinter dem Führerstand aufgesetzten Stromabnehmer wirkten die Wagen etwas kopflastig. Die Form der Seitenfenster am Kopfteil erinnerten an die Ohren von Elefanten. Und schon hatten die Triebwagen ihren Spitznahmen.

13 "Elefanten" wurden gebaut (Triebwagen 47, 154, 178 sowie 188 bis 197). Eingesetzt wurden sie vor allem auf der Bochumer Stadtlinie 30 zwischen den damaligen Schleifen an der Wattenscheider Straße und an der Havkenscheider Straße. Gelegentlich sah man sie auch mit vierachsigen Beiwagen auf der Linie 2 zwischen der Schleife Königswiese in Gelsenkirchen-Buer und der Schleife am Bahnhof Bochum-Nord. 1962 wurden die ersten «Elefanten» ausgemustert. Der Rest folgte bis Ende 1968.

 

… und Schüttelrutschen

Auf der Grundlage des Verbandstyp-Triebwagens hatte die Waggonfabrik Credé 1955 neben zweiachsigen Triebwagen auch einen Doppelgelenktriebwagen mit schwebendem Mittelteil für Kasseler Straßenbahn gebaut. Das normalspurige Fahrzeug animierte die Hauptwerkstatt der BOGESTRA in Bochum-Weitmar, 1955 und 1956 fünf gleichartige Fahrzeuge für den Meterspurbetrieb in der eigenen Werkstatt zu bauen. Die Triebwagen 256 bis 260 hatten wie der Prototyp in Kassel zwei starre Fahrwerke: Ein mit zwei Motoren ausgestattetes zweiachsiges Fahrwerk unter dem Vorderwagen und ein motorloses Fahrwerk unter dem Hinterwagen. Probeweise erhielt der Triebwagen 259 1971 auch im hinteren Teil zwei Fahrmotore. Die stärkere Motorisierung bewährte sich allerdings nicht.

Da es keinen Hersteller gab, nach dem man die Wagen hätte benennen können, suchten die Straßenbahnfahrer der BOGESTRA nach einer alternativen Bezeichnung. Die war in Anbetracht des ruppigen Fahrverhaltens der Wagen schnell gefunden: In Anlehnung der im Bergbau üblichen Kettenförderer nannte man die neuen Triebwagen "Schüttelrutsche". Erst im Januar 1977 schieden die zuletzt zwischen Bochum-Gerthe und Wanne-Eickel Hbf. auf der Linie 6 eingesetzten Fahrzeuge aus dem Bestand der BOGESTRA aus.

 

 

Vielen Dank, Ludwig, für das zweite, leckere Häppchen "Wagenkunde" zu unseren früheren Straßenbahnen. Jetzt wissen wir, dass bei uns nicht gerührt, sondern geschüttelt wurde.

Wer noch mehr erfahren will: Unser Gastautor Ludwig Schönefeld hat schon 1989 eine Chronik des BOGESTRA-Wagenparks veröffentlicht (nur noch antiquarisch zu haben). Zuletzt hat er Bücher über die Straßenbahn in Witten, Bochum und Gelsenkirchen publiziert. Seine aktuellen Forschungen beschäftigen sich mit der Verkehrs- und Regionalgeschichte von Castrop-Rauxel und Herne.

Fotos: BOGESTRA-Fotosammlung und Stadt Bochum Presseamt

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Foto Werkstatthalle BOGESTRA-Straßenbahnbetrieb Engelsburg

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Mai 27, 2026

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