Preise, Kosten, Leistung
Enge Takte, saubere, pünktliche Fahrzeuge, freundliche und kompetente Mitarbeiter*innen, kurze Wege zu Haltestellen: das sind nur einige Aspekte, die Nutzer*innen des ÖPNV vom System öffentlicher Nahverkehr und damit von uns erwarten – und das alles soll dann am besten noch für jede*n erschwinglich sein, damit Bus- und Bahnfahren nicht zum Luxus wird.
DeutschlandTicket – zwei Seiten eines Superangebots
Was den Preis betrifft, gibt es mit dem DeutschlandTicket inzwischen eine Fahrkarte im Abo, die preislich unschlagbar ist. Mit dem DeutschlandTicket Sozial, DeutschlandTicket Schule, DeutschlandTicket Job und dem Deutschlandsemesterticket wurden außerdem Angebote für spezielle Gruppen geschaffen, die oft sogar noch preisgünstiger sind. Und für alle, die nur selten mit Bus und Bahn unterwegs sind, gibt es in unserem Bundesland den Digitaltarif eezy.nrw – natürlich auch in unserer Mutti-App.
Der günstige Preis für die Fahrgäste ist die eine Seite der Medaille. Auf der anderen Seite steht, dass der Preis für das DeutschlandTicket unterhalb des Preisniveaus liegt, das die „alten“ ÖPNV-Tickets – also zum Beispiel das Ticket2000 – in Deutschland hatten. Was das bedeutet, haben wir mit Dimitri besprochen, der unseren Geschäftsbereich Finanzen und Recht leitet.
Strukturelle Unterfinanzierung
„Neben den Einnahmen, die wir durch den direkten Verkauf des DeutschlandTickets erzielen, bekommen wir Geld von Bund und Land, weil wir wegen der Einführung des Tickets Einnahmeverluste haben“, erläutert er und hebt hervor: „Die Mittel, die wir für das DeutschlandTicket erhalten, reichen aber nicht aus.“ Mit seiner Einschätzung steht Dimitri nicht allein. Ob in Nord, Süd, Ost oder West: Verkehrsunternehmen, Verkehrsverbünde, Städte, Gemeinden und Kreise melden sich immer wieder zu Wort, um auf die Unterfinanzierung des ÖPNV-Systems hinzuweisen. So auch beim Aktionstag „Kommunen am Limit“, bei dem auf die dramatische Finanzlage der Kommunalhaushalte aufmerksam gemacht wurde.
Nicht im luftleeren Raum
Wenn Dimitri und seine Mitarbeiter*innen sich um die BOGESTRA-Finanzen kümmern, tun sie das, wie wir zum Beispiel beim Thema DeutschlandTicket sehen, nicht im luftleeren Raum. Aber nicht nur dort sind wir abhängig von Entscheidungen, die auf Bundes- und Landesebene getroffen werden. Auch, wenn es um die Ausgabenseite geht, sind wir oft von anderen Faktoren abhängig. So werden die Entscheidungen über unsere Gehälter zum Beispiel bei Tarifverhandlungen getroffen, in denen Vertreter*innen von Arbeitgeber und Gewerkschaften über die Tarife des öffentlichen Dienstes von Bund und Kommunen verhandeln. Und auch die Finanzlage der Städte und Kreise wirkt auf uns ein. Daneben muss bei unserer Finanzierung und beim ÖPNV insgesamt auf europarechtliche Vorgaben geachtet werden. Schließlich gibt es noch die deutlichen Preissteigerungen, die wir in vielen Bereichen zu spüren bekommen, unter anderem im Energie- und Materialbereich oder bei Bauleistungen, die wir beauftragen. Die Folgen der globalen Konflikte wie dem Ukraine- oder dem Nahostkonflikt tun ihr Übriges.
Wo geht das Geld hin?
Für das Jahr 2025 sind wir auf Gesamtausgaben von ca. 284 Millionen Euro gekommen. Aber wofür? Mehr als 19 Millionen Buskilometer, mehr als 8 Millionen Zugkilometer an 365 Tagen im Jahr werden auf über 80 Linien erbracht. Wir halten dafür rund 350 Fahrzeuge vor, unterhalten mehr als zehn Standorte und KundenCenter, kümmern uns um hunderte von Haltestellen sowie um die Betriebstechnik in Stadtbahnanlagen und an oberirdischen Strecken. Das heißt, von dem Geld, das wir erhalten, wird der laufende Betrieb unterhalten, also Bus und Bahn gefahren, Energie und Ersatzteile beschafft. Und natürlich werden auch die Gehälter unserer Kolleg*innen bezahlt. Denn auch sie wollen so wie ihr für ihre gute Arbeit angemessen bezahlt werden. Gleichzeitig investieren wir laufend in Fahrzeuge und Infrastruktur und bedienen mit dem Geld natürlich auch Kredite: Denn wenn wir beispielweise Dutzende von Straßenbahnen im Wert von mehreren Millionen Euro pro Stück kaufen, dann wird das über Kreditinstitute finanziert.
Der öffentliche Rahmen
Den Ausgaben gegenüber standen im Jahr 2025 ca. 187 Millionen Euro auf der sogenannten „Einnahmeseite“. Das meiste davon waren „Fahrgasterträge“, entweder direkt durch Ticketverkauf oder durch Zahlungen von Bund und Land. Für das weitere benötigte Geld gibt es die sogenannte Verlustübernahme. Diese ergibt sich dadurch, dass wir in die Beteiligungsstruktur der Städte Bochum und Gelsenkirchen eingebunden sind. Die BOGESTRA ist ja ein kommunales Unternehmen wie örtliche Stadtwerke oder städtische Wohnungsgesellschaften und wir erfüllen, indem wir für den ÖPNV sorgen, einen öffentlichen Zweck – oder anders formuliert einen Service für die Bürger*innen. „Wer sich unsere Zahlen unvoreingenommen anschaut und nicht krude Berechnungen anstellt, sieht das gute Preis-Leistungs-Verhältnis, mit dem unser Angebot zur Verfügung gestellt wird. Darüber hinaus ist vielfach nachgewiesen, dass sich Investitionen in den ÖPNV auch für die Wirtschaft vor Ort auszahlen“, sagt Dimitri.
Effizienz und ihre Grenzen

Als Unternehmen der Daseinsvorsorge basiert unser Ergebnis grundlegend auf den Aufträgen, die wir von den Städten und Kreisen bekommen.
Den Rahmen für diese Aufträge bildet der Nahverkehrsplan, mit dem Umfang und Qualität des örtlichen Nahverkehrs festgelegt wird. Das bedeutet dann auch, dass wir eben auch fahren, wenn es sich wirtschaftlich nicht rechnet, also zum Beispiel, wenn nur wenige Fahrgäste an Bord sind.
Die Verlustübernahme ist aber kein Freifahrtschein. Das galt früher nicht und das gilt heute nicht für uns. Unsere Aufgabe möglichst wirtschaftlich zu erfüllen, bei dem, was wir tun so effizient wie möglich zu sein, das lernen Bogestraner*innen schnell im Unternehmen. Denn das gehört zur guten Leistung, die wir erbringen dazu.
Leistung und Zukunft
Wir haben unser Kerngeschäft im Blick – besonders wichtig dabei hohe Qualität und Zuverlässigkeit. Wir arbeiten weiter an unserer Effizienz und verfolgen innovative Projekte für den ÖPNV der Zukunft. Dass dies nicht allein durch das Geld auf kommunaler Ebene zu erreichen ist, wurde zuletzt noch einmal ausgerechnet. Leistungskostengutachten heißt die Berechnung, die unser Branchenverband VDV für viele Bundesländer in den letzten Monaten veröffentlicht hat.
Wer erwartet, dass jemand wie Dimitri, sich Geld ohne Ende wünscht, der täuscht sich: „Wir brauchen das Geld, das nachvollziehbar benötigt wird, damit wir unsere Aufgabe erfüllen können. Wir brauchen zuverlässige, finanzielle Zuwendungen von Bund und Land, die auch Kostenentwicklungen berücksichtigen.“ Dann können wir auch gut Anforderungen erfüllen, die zum Beispiel europaweit festgelegt wurden. Das heißt, dass auch in Deutschland von den ÖPNV-Unternehmen der Umstieg auf emissionsfreie Busse erwartet wird.

Die BOGESTRA ist ein wertvolles Unternehmen. Das sieht man in der Bilanz und an den Menschen, die Tag für Tag für den Mobilitätspulsschlag der Region sorgen und das soll auch in der Zukunft so bleiben.
Foto Straßenbahnen: BOGESTRA/Deutscher, übrige Fotos: BOGESTRA/Wiciok










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